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8.7.5.5 Epilepsie und Musik

Der Landesverband Epilepsie Bayern e.V. hat eine CD "Prinzessin Epilepsia" veröffentlicht.

Auf der CD ist eine Kasperle-Geschichte in Text und Musik dargestellt. Kasperle, Gretchen und ihre Freunde wollen Spielen gehen und laden Prinzessin Epilepsia dazu ein. Sie erleidet einen epileptischen Anfall. Während des Erholungsschlafes wird sie von einem bösen Räuber entführt. Der Räuber kann aber nicht lesen. Er diktiert ihr einen Erpresserbrief an ihren Vater, den König. Sie aber beschreibt ihren Standort und wie sie befreit werden kann. Kasperle und Gretchen befreien Prinzessin Epilepsia und versperren die Höhle mit dem schlafenden Räuber mit einem Stein. Nun will der König seine Tochter lieber nicht mehr aus dem Schloss lassen. Prinzessin Epilepsia, Kasperle und Gretchen können ihn aber davon überzeugen, dass sie in Zukunft mehr auf sie achten nach einem Anfall und so kann die Prinzessin ihre Freunde behalten.

Prinzessin Epilepsia - Lied

Refrain:

Prinzessin Epilepsia, die ist nun manchmal krank,

doch sie hat gute Freunde, mit denen sie spielen kann.

  1. Die Kinder sind sehr glücklich, ob krank oder gesund, wenn sie zusammen spielen auf diesem Erdenrund.
  2. Prinzessin Epilepsia, die ist auch gar nicht dumm,

sie singt und spielt ganz fröhlich, und tanzt mit uns herum.

Die Geschichte wurde von Barbara Lillge geschrieben und gesprochen. Dazu hat Klaus Weigert ein Lied und Musik im Hip- Hop-Stil komponiert, die die Geschichte umrahmt und ausschmückt. Das Lied wurde vom Chor des Regensburger Pindl-Gymnasiums mit Soloeinlagen gesungen. Die CD ist für Kinder ab 5 Jahren geeignet und macht sie mit dem Thema Epilepsie ein wenig bekannt. Grundschulklassen können zur CD Bilder malen.

Instrumental-Improvisation "Der Gaffer"

Anlässlich der 25-Jahr-Feier der LAGH Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte in München, organisierten einige Mitgliedsverbände kreative Workshops. Wir einigten uns auf das gemeinsame Thema "Der Gaffer". Dieses Thema wurde unter Regie der Rollstuhlfahrer mit einer Collage erarbeitet, vom Blindenbund mit einem Sketch und vom Epilepsieverband mit Percussion.

Wir sammelten andere Begriffe für "Gaffer" - wie "Beobachter", "Hinschauer", "Starrer" etc. Je nach der Phonetik und der Fähigkeiten der Mitspieler ordneten wir den Begriffen den Klang bestimmter Instrumente zu.

Die Workshop-Leiter gaben mit einer Baumtrommel und einer Gitarre den Rhythmus vor. Nacheinander sprachen die Mitwirkenden ihren Begriff und spielten ihr Instrument weiter. So schwoll die Musik immer mehr an, am Höhepunkt kam der Begriff "Gaffer", der immer wieder gerufen und mit Klanghölzern gespielt wurde. Nacheinander hörte dann jedes Instrument wieder auf - und die Menge "zerstreute" sich so.

Barbara Lillge

Instrumental-Improvisation "Gewitter im Gehirn"

Epileptische Anfälle werden häufig verglichen mit einem heftigen Gewitter, das (bei einem komplex fokalen Anfall) ausgehend von einem eng umschriebenen Ort im Gehirn, sich auf große Bereiche des Gehirns ausdehnt und dort gravierende Störungen verursacht. In einer Instrumental-Improvisation kann versucht werden, diesen "Stör-Vorgang" hörbar zu machen.

Aus dem Musikunterricht (Lernbereich: Spiel mit Instrumenten) ist den Schülern in der Regel die Gestaltung eines Natur-Gewitters mit Orff- und Percussionsinstrumenten bekannt. Dies lässt sich auch gut mit dem Lernbereich Musikhören verbinden: Musikalische Naturdarstellungen bei Beethoven (6. Symphonie - Pastorale), Vivaldi (Die Jahreszeiten) oder Smetana (Die Moldau).

Vorausgehen sollte dem Gestaltungsversuch die Information der Schüler über medizinische Grundlagen der Epilepsie.

Gestaltungsvorschlag:

Zunächst werden die Phänome "Gewitter", "Unruhe", "Chaos", "Ordnung" beschrieben und mit klanglichen Mitteln dargestellt. Dazu müssen jeweils geeignete Instrumente gefunden und erprobt werden. Im nächsten Schritt wird der Prozess, in dem sich das "Gewitter im Gehirn" ausbreitet, beschrieben: Ausgehend von einem Punkt (Instrument) breitet sich zunehmende Unruhe im Hirn (verschiedene Instrumente im Raum) aus. Musikalisch könnte dies so dargestellt werden, dass zunächst gleichförmige, ruhige rhythmische Patterns der einzelnen Instrumente mit- und nebeneinander erklingen, die dann durch ein störendes, grelles Instrument verunsichert und aus der "Ordnung" geworfen werden. Das dabei entstehende Chaos steigert sich immer mehr (Unruhe, Lautstärke, Durcheinander).

Nach kurzer Zeit (nicht zu lang!) beruhigt sich das Gewitter wieder - das "Störinstrument" klingt aus, die anderen Instrumente beruhigen sich und kehren in gleichförmige Patterns zurück, die ziemlich langsam und ruhig sind (Phase der Erschöpfung).

Der Gestaltungsversuch kann erst in den einzelnen Phasen erarbeitet und dann zur Gesamtimprovisation zusammengefügt werden. Eine Aufnahme der Improvisation mit dem Kassettenrekorder kann Grundlage für eine Reflexion der instrumentalen Gestaltung auf dem Hintergrund der medizinischen Vorgänge bei einem Anfall sein. Zugleich könnten dabei die Empfindungen zur Sprache kommen, die das zunehmende Chaos und die anschließende Ruhephase ausgelöst haben.

Ullrich Reuter

Der Film "Epilepsie - Turbulenzen im Gehirn" kann im Vorfeld als Grundinformation dienen. Dort gibt ein niederländischer Orchesterdirigent zur Komposition "Till Eulenspiegel" von Richard Strauss interessante und plausible Erklärungen zu seiner Epilepsie in Verbindung zum komplexen musikalischen Zusammenspiel.