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8.4 Hilfen zur Anfallsbeobachtung und -dokumentation

8.4.1 Leitfaden und Protokollbogen zum Erkennen und Beschreiben von Anfällen

(© erstellt vom Arbeitskreis Epilepsie Dillingen, Juni 2002)

Name des anfallskranken Kindes / Jugendlichen
Datum und Uhrzeit des Anfalls
Ort des Anfalls
Beobachter
Information an

Vor dem Anfall

Vor dem Anfall besteht in der Regel keine direkte Beobachtungsmöglichkeit durch die Lehrkraft. Da vielen Anfällen eine sogenannte Aura vorangeht, sollten die betroffenen Kinder in Gesprächen für ihre Eigenwahrnehmung sensibilisiert werden, um diese dann entsprechend verbalisieren zu können.

Warnsignale: Raum für eigene Beobachtungen:
Gefühl der Angst, Gefühl der Benommenheit
angenehmes, seltsames, unbestimmtes Gefühl in der Magengegend
Geräuschwahrnehmung
Geschmackswahrnehmung
Geruchswahrnehmung
Kopfschmerzen
Schmerzen
Übelkeit
Taubheit und/oder Kribbeln - z.B. in den Beinen

Bei Absencen und einigen anderen Anfallsarten fehlt eine Aura. Absencen-Epilepsien zeichnen sich durch einen plötzlichen Beginn und ein abruptes Ende aus. Die Aura dauert bei 85% der Kinder kaum länger als 10 Sekunden.

Während des Anfalls

Während des Anfalls kommt es zu deutlich beobachtbaren Auffälligkeiten, z.B. Zuckungen und Verkrampfungen, aber auch zu weniger eindeutigen Erscheinungsbildern, die oft wegen der Kürze des Anfalls nur durch "genaues Hinschauen" erkennbar sind. Hierzu bedarf es einer geschärften Wahrnehmung. Manche Auffälligkeiten können häufig nur von den Betroffenen selbst verbalisiert werden.

Eigenwahrnehmung: Raum für eigene Beobachtungen:
Atemschwierigkeiten
Herzrasen
Kribbelgefühl
Schwindel
Gestörte Seh- und /oder Hörwahrnehmung, visuelle Trugbilder
Urin- und Stuhldrang
Kopfschmerzen und Migräne
Rasende Gedanken
Verzerrung der Raumwahrnehmung
Verzerrung der Zeitwahrnehmung
Verwirrung
Beobachtbare Störungen Raum für eigene Beobachtungen
Hinstürzen
Zuckungen, beidseitig oder einseitig
Sich versteifen
Verkrampfungen
Ausgeprägte Automatismen der Arme und Beine z.B. ausschlagende rhythmische Bewegungen der Hände
Inkontinenz
Übelkeit, Erbrechen
längerer Bewusstseinsverlust
Gedächtnisverlust
Sprachverlust
Artikulationsschwierigkeiten
Zungen- oder Lippenbiss
Kurze Bewusstseinspause
Plötzliches Innehalten in einer Tätigkeit und starrer Blick
Keine bzw. verzögerte Reaktion auf Anruf
Plötzliches Erschrecken: Ursache ist ein jäher Ruck oder Stoß in den Schultern → in der Hand gehaltene Gegenstände werden fortgeschleudert
Plötzlicher Tonusverlust → fallen, nicken mit dem Kopf
Verzerrte Gesichtszüge
Verdrehen der Augen
Zittern der Augenlider
Zuckungen der Augenbrauen
Drehen des Kopfes
Klappern, Zusammenpressen der Zähne
Kaubewegungen
Schmatzen der Lippen
Gurgelnde, röchelnde Geräusche
Speichelfluss
Vermehrtes Schlucken
Schwitzen
Änderung der Gesichtsfarbe
Nestelbewegungen
Juchzen, unkontrolliertes, krampfartiges Lachen
Vordergründig sinnlose, teilweise auch perseverierende Tätigkeiten

Manche Anfallsarten können mehrmals pro Tag auftreten.

Alle Anfallsarten können als "Status epilepticus" vorkommen. Dieser Status charakterisiert lange anhaltende oder sich häufig wiederholende Anfälle, so dass es zwischen den Anfällen nicht zur Erholung kommt. (Hier: unbedingt einen Arzt hinzuziehen!)

Nach dem Anfall

Nach dem Anfall kann es je nach Anfallsart zu einer unterschiedlich langen Phase der Reorientierung kommen. Bei Absencen z.B. gibt es keine Reorientierungsphase. Die Kinder nehmen hier ihre unterbrochene Tätigkeit wieder auf, als ob nichts geschehen wäre.

Folgende Anzeichen werden von Betroffenen nach dem Anfall selbst beschrieben und / oder können von Anwesenden beobachtet werden:

Beschriebene bzw. beobachtete Anzeichen: Raum für eigene Beobachtungen:
Angstzustand
Depression und Traurigkeit, Frustration
Schamgefühl
Kopfschmerzen, Muskelschmerzen
Schwächegefühl
Verändertes Körpergefühl einer Körperseite
Erschöpfung, Ermüdung, "Nachschlaf"
Apathisches Verhalten
Fehlendes Erinnerungsvermögen
Überempfindlichkeit bei Berührungen
Erhöhte Reizbarkeit
Aggressives Verhalten, abwehrendes Verhalten, Autoaggressionen
Verlangsamte Reaktionen
Eingeschränkter sprachlicher Ausdruck
Durst
Übelkeit, Erbrechen
Verwirrtheit, Dämmerzustand

Ort, Datum: ..............................................................................................

Unterschrift des Beobachtenden: .............................................................................................