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5.2 Darf ein Epilepsiekranker den Führerschein machen?

In unserer modernen Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft ist Mobilität zunehmend gefragt, ja unentbehrlich. Trotzdem kann man nun bei Anfallskranken - und das sind nicht nur Menschen, die unter Epilepsien leiden - die Frage nach dem Erwerb des Führerscheins bzw. dem Führen eines Kraftfahr-zeuges nicht einfach bejahen.

Wegen der erhöhten Unfallgefahr sollten Menschen mit Epilepsien solange sie nicht sicher anfallsfrei sind, kein Kraftfahrzeug steuern.

Bei der Diskussion der o.g. Fragen sind zunächst einmal die rechtlichen Bestimmungen zu beachten:

StVO § 1(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht .

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

FeV § 2(1) Wer sich infolge körperlicher und geistiger Mängel nicht sicher im Verkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn Vorsorge getroffen ist, dass er andere nicht gefährdet.

§ 3(1) Erweist sich jemand als ungeeignet oder nur noch bedingt geeignet zum Führen von Fahrzeugen ..., hat die Fahrerlaubnisbehörde ihm das Führen zu untersagen, zu beschränken oder die erforderlichen Auflagen anzuordnen.

FeV § 11(1) Bewerber um eine Fahrerlaubnis müssen die hierfür notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllen.

(2) Die Anforderungen sind insbesondere nicht erfüllt, wenn ein Mangel nach Anlage 4 oder 5 vorliegt, wodurch die Eignung oder bedingte Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen ausgeschlossen wird.

Werden jedoch Tatsachen bekannt, die auf ein Anfallsleiden schließen lassen, kann die Fahrerlaubnisbehörde ein ärzt-liches Gutachten vom Bewerber verlangen, das über die Erteilung oder Beschränkungen oder Auflagen entscheidet.

Grundsätzlich wird also niemandem die Bewerbung um bzw. der Erwerb eines Führerscheines versagt. Neubewerber sollten unbedingt im Antragsformular der Straßenverkehrsbehörde die Frage nach dem Vorliegen einer Epilepsie oder chronischen Krankheit bejahen und ein Attest neuesten Datums des be-handelnden Neurologen vorlegen

Kranke und ihre Angehörigen müssen akzeptieren, dass dem individuellen Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit der Schutz der Allgemeinheit vor unzumutbaren Gefahren gegen-übersteht.

Damit ergeht der klare Appell an Patienten, Angehörige, Ärzte, aber auch die Fahrlehrer, um sorgfältige Beachtung aller Vorschriften.

Selbstverständlich können hier keine mutwilligen, ober-flächlichen Entscheidungen getroffen werden, sondern es muss immer ein kompetenter Arzt (= Epileptologe) zu Rate gezogen werden. Für ihn sind entscheidend für die Beurteilung der Fahrtauglichkeit von Menschen mit epileptischen Anfällen und Epilepsien die "Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrer-eignung" .

Die Fahrverbote bzw. Auflagen richten sich nach der Art der Anfälle. Auf jeden Fall sind Kontrolluntersuchungen in Abständen von 1, 2 und 4 Jahren erforderlich.

Eignung Beschränkung/Auflage
A1 Motorrad bis 125 cm³
  • Nach 1 Jahr Anfallsfreiheit
  • 6 Monate Karenz nachRückfall (z.B. Medikamentenumstellung)
Nachuntersuchungen in Abständen von 1, 2 und 4 Jahren
A Motorrad über 125 cm³
B PKW, Kfz bis 8 Sitzplätze
M Kfz bis 50 cm³ und max. 45 km/h
L/T Zugfahrzeuge für Land-und Forstwirtschaft
C1 LKW von 3,5 t bis 7,5 t
  • wenn kein wesentliches Risiko von Anfallsrezidiven mehr besteht,
    z.B. 5 Jahre anfallsfrei ohne Therapie
  • bei Gelegenheitsanfällen nach 6-monatiger Beobachtungszeit
Wie oben
C LKW über 7,5 t
D Bus

Ein verantwortungsbewusster Arzt wird seinen Patienten über seine Erkrankungen, die Medikamente und alle daraus folgenden Probleme sowie Vor- und Nachteile gründlich aufklären und beraten.