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4.2.5 Darf ein epilepsiekrankes Kind Sport treiben?

Epilepsien und Sport

Eine regelmäßige sportliche Betätigung ist für alle Menschen und in jedem Alter gesund. Auch Menschen mit Epilepsien können fast alle Sportarten weitgehend gefahrlos ausüben und sollten sich auch von übervorsichtigen Lehrern, Angehörigen, Ärzten, Übungsleitern oder Vereinstrainern nicht vorschnell davon abbringen lassen, wenn sie selbst Spaß daran haben. Auch an übervorsichtige und überängstliche Eltern muß gedacht werden, die die Entwicklung ihrer Kinder eher "behindern".

Eine bewährte Grundregel für die Einschätzung einer möglichen Gefährdung von Menschen mit Epilepsien durch Sport ist ein Vorgehen nach dem gesunden Menschenverstand unter Berücksichtigung der jeweiligen Epilepsie und Anfallshäufigkeit. Bei seit längerer Zeit bestehender Anfallsfreiheit gibt es immer weniger Gründe, überhaupt irgendwelche Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Bei sehr vielen Anfällen ist in Abhängigkeit von der Art der Anfälle und einer eventuellen tageszeitlichen Bindung oder Auslösung durch besondere Umstände zu überdenken, was sinnvoll ist und was nicht. In aller Regel ist ein Anfall auf einem Sportfeld zumindest für die Betroffenen ungefährlicher als zu Hause in der Wohnung oder auf der Straße.

Allerdings gibt es einige Sportarten, die für Menschen mit aktiven Epilepsien prinzipiell nicht in Frage kommen bzw. bei denen ein Anfall eine nicht vertretbar hohe Gefahr bedeuten würde. Dazu zählen beispielsweise Tiefseetauchen, Hochgebirgsklettern oder Fallschirmspringen und Paragliding. Nähere Hinweise zu Sportempfehlungen im Hinblick auf bestimmte Anfallsarten gibt die Sportübersichtstabelle im Anhang.

Sportunterricht

Kinder mit Epilepsie können und sollen also Sport treiben! Denn:
Körperliche Aktivität führt nicht zu Anfallshäufungen!

Die Integration in den Sportunterricht ist auch aus sozialen Gründen unerlässlich.

Eine generelle Sportbefreiung sollte soweit wie möglich vermieden werden. Inwieweit eine Befreiung notwendig werden könnte, hängt von der individuell vorliegenden Anfallsform ab. Der Epileptologe, nicht der Hausarzt, sollte hierzu ein detailliertes Attest erstellen.

Im Allgemeinen gilt:

Vorsicht beim Schwimmen!

Vorsicht beim Radfahren!

Radfahren kann für das epilepsiekranke Kind und die anderen Verkehrsteilnehmer sehr gefährlich werden, falls dabei ein Anfall auftritt. Daher sollte es im dichten Straßenverkehr nur fahren, wenn es mindestens ein Jahr lang anfallsfrei gewesen ist. Auch auf weniger befahrenen Straßen und Wegen sollte ein Kind mit Epilepsie nur fahren, wenn es unter medikamentöser Behandlung seit mindestens 3 Monaten sicher anfallsfrei ist. Selbstverständlich sollte es beim Radfahren den auch für gesunde Kinder empfohlenen Schutzhelm tragen.

Vorsicht bei Absturzgefahr!

Vorsicht bei Gefahr von Erschütterungen des Kopfes!

Im Allgemeinen problemlos möglich sind Leichtathletik, Bodenturnen und Ballspiele (außer Kopfballtraining, siehe oben).

Weitere Informationen: siehe Punkt 8.6. Epilepsien und Sport - Empfehlungen