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4.1.3 Was empfindet das anfallskranke Kind und was kann beobachtet werden?

Empfindungen vor dem Anfall

Vor dem Anfall besteht in der Regel keine direkte Beobachtungsmöglichkeit durch die Lehrkraft. Da vielen Anfällen eine sogenannte Aura vorangeht, sollten die betroffenen Kinder in Gesprächen für ihre Eigenwahrnehmung sensibilisiert werden, um diese dann entsprechend verbalisieren zu können.

Folgende Warnsignale sind zu beobachten: Gefühl der Angst, Gefühl der Benommenheit, angenehmes, seltsames, unbestimmtes Gefühl in der Magengegend, Geräuschwahrnehmung, Geschmacks- oder Geruchswahrnehmung, Kopfschmerzen, Schmerzen, Übelkeit, Taubheit und/oder Kribbeln - z.B. in den Beinen. Die Aura dauert bei vielen der betroffenen Kinder kaum länger als 10 Sekunden.

Bei Absencen und einigen anderen Anfallsarten fehlt eine Aura. Absencen-Epilepsien zeichnen sich durch einen plötzlichen Beginn und ein abruptes Ende aus.

Empfindungen während des Anfalls

Während des Anfalls kommt es zu deutlich beobachtbaren Auffälligkeiten, z.B. Zuckungen und Verkrampfungen, aber auch zu weniger eindeutigen Erscheinungsbildern, die oft wegen der Kürze des Anfalls nur durch "genaues Hinschauen" erkennbar sind. Hierzu bedarf es einer geschärften Wahrnehmung.

Manche Auffälligkeiten können häufig nur von den Betroffenen selbst verbalisiert werden. Dies können insbesondere sein:

Atemschwierigkeiten, Herzrasen, Kribbelgefühl, Schwindel, gestörte Seh- und /oder Hörwahrnehmung, visuelle Trugbilder, Urin- und Stuhldrang, Kopfschmerzen und Migräne, rasende Gedanken, Verzerrung der Raumwahrnehmung, Verzerrung der Zeitwahrnehmung und Verwirrung.

Beobachtbare Erscheinungen:

Im Bereich Grobmotorik: Hinstürzen, beidseitige oder einseitige Zuckungen, Verkrampfungen und ausgeprägte Automatismen der Arme und Beine wie ausschlagende rhythmische Bewegungen der Hände, plötzlicher Tonusverlust mit Hinfallen oder Kopfnicken.

Im Bereich Körperkontrolle: Inkontinenz, vermehrtes Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen.

Im Bereich Bewusstsein: Längerer Bewusstseinsverlust, Gedächtnis- und Sprachverlust, kurze Bewusstseinspause, plötzliches Innehalten in einer Tätigkeit und starrer Blick, keine bzw. verzögerte Reaktion auf Anruf, plötzliches Erschrecken.

Im Bereich Gesichtsmotorik: Artikulationsschwierigkeiten, Zungen- oder Lippenbiss, verzerrte Gesichtszüge, Verdrehen der Augen, Zittern der Augenlider, Zuckungen der Augenbrauen, Drehen des Kopfes, Klappern oder Zusammenpressen der Zähne, Kaubewegungen, Schmatzen der Lippen, gurgelnde, röchelnde Geräusche, Speichelfluss, vermehrtes Schlucken und Änderung der Gesichtsfarbe.

Im Bereich Verhalten: Nestelbewegungen, Juchzen, unkontrolliertes, krampfartiges Lachen, vordergründig sinnlose, teilweise auch ständig wiederkehrende Tätigkeiten oder Orientierungslosigkeit.

Manche Anfallsarten können mehrmals täglich auftreten.

Alle Anfallsarten können als "Status epilepticus" vorkommen. Dieser Status charakterisiert lange anhaltende oder sich häufig wiederholende Anfälle, so dass es zwischen den Anfällen nicht zur Erholung des Patienten kommt (hier gilt: unbedingt einen Arzt hinzuziehen!)

Empfindungen und Beobachtungen nach dem Anfall

Nach dem Anfall kann es je nach Anfallsart zu einer unterschiedlich langen Phase der Reorientierung kommen. Zum Beispiel gibt es bei Absencen keine Reorientierungsphase. Die Kinder nehmen hier ihre unterbrochene Tätigkeit wieder auf, als ob nichts geschehen wäre.

Folgende Anzeichen werden von Betroffenen nach dem Anfall selbst beschrieben und/oder können von Anwesenden beobachtet werden: Angstzustand, Depression und Traurigkeit, Frustration, Schamgefühl, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Schwächegefühl, verändertes Körpergefühl einer Körperseite, Erschöpfung, Ermüdung, "Nachschlaf", apathisches Verhalten, fehlendes Erinnerungsvermögen, Überempfindlichkeit bei Berührungen, erhöhte Reizbarkeit, aggressives Verhalten, abwehrendes Verhalten, Autoaggressionen, verlangsamte Reaktionen, eingeschränkter sprachlicher Ausdruck, Durst, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit und Dämmerzustand.