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3.5 Diagnose von Epilepsien

Die Diagnose einer Epilepsie bringt oft nicht nur für den Betroffenen, sondern für die ganze Familie Probleme mit sich. Neben psychischen und sozialen Problemen sind es immer wieder Fragen nach der körperlichen Eingeschränktheit bei Spiel und Sport, nach der Berufswahl, der Berufstätigkeit und der Möglichkeit, den Führerschein machen und ein Kraftfahrzeug führen zu dürfen.

Diese Problematik entsteht wohl vor allem deshalb, weil in unserer modernen Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft nur der bestehen kann, der nicht krank oder behindert, sondern möglichst uneingeschränkt belastbar ist.

Damit auch Epilepsiekranke ihren Platz mitten in der Gesellschaft einnehmen können, bedürfen epileptische Anfälle - gleich welcher Art -

Für beides sind ausschließlich Fachärzte kompetent, nämlich

Die wichtigste Grundlage der Diagnose ist die Krankengeschichte des Patienten. Hierzu gehören die Akutanamnese mit

aber auch die frühere Anamnese mit

und die Familienanamnese mit

Untersuchungsmethoden

Um die Art einer Epilepsie genau feststellen zu können, sind Untersuchungen notwendig. Anwendung finden dabei folgende Untersuchungsmethoden:

Hirnstromuntersuchung (EEG)

Aufschluss über die Tätigkeit des Gehirns gibt das EEG. Im gesunden Zustand wechseln positive und negative Ladung in gleichmäßigem Rhythmus, je nach Wachheitsgrad und Alter in unterschiedlichem Tempo. Bei unkontrollierter Entladung ist die Rhythmus gestört und es werden sog. Krampfströme registriert.

Um möglichst große Untersuchungsgenauigkeit zu erreichen, unterscheidet man verschiedene EEG-Ableitungen:

Standard-EEG: Die Ableitung erfolgt am wachen Menschen mit geschlossenen Augen. Zur Provokation des Gehirns werden Hyperventilation (vermehrtes Abatmen von CO2 ) und Fotostimulation (Lichtblitze unterschiedlicher Frequenz) angewandt.

Video-EEG: Während der Ableitung werden Video-Aufnahmen angefertigt, so dass fragliche Phänomene wie z.B. Blinzeln, genau mit dem EEG korreliert werden und somit als Anfälle bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Schlaf-EEG: Im Schlaf weist das EEG andere Funktionen auf als im Wachzustand. Deshalb führt man manchmal ein medikamentös eingeleitetes Schlaf-EEG durch. Dies kommt vor allem bei kleinen Kindern zum Einsatz, die sich noch nicht ruhig halten können. Allerdings haben die Medikamente Einfluss auf das EEG, so dass das

Spontanschlaf-EEG vorzuziehen ist. Es gibt die beste Auskunft über die tatsächliche Aktivität des Gehirns im Schlaf, ist jedoch schlecht planbar und wird deshalb meist nur im Rahmen einer Langzeitableitung erreicht.

Beim Schlafentzugs-Schlaf-EEG wird der Patient eine Nacht wach gehalten. Der Schlafentzug reizt das Gehirn und evtl. pathologische Veränderungen werden deutlicher dargestellt. Da Schlafentzug die Krampfschwelle senkt, kann es zur Auslösung eines Krampfanfalls kommen. Aus diesem Grunde ist stationäre Überwachung dringend erforderlich. Die Änderung der Gehirnaktivität zwischen Wach- und Schlafzustand gibt große Aufschlüsse über die Einordnung der Epilepsie, so dass zusätzlich zur Standard-Ableitung wenigstens einmal ein Schlafentzugs-Schlaf-EEG gemacht werden sollte.

Langzeit-EEG:

Über die am Kopf des Patienten festgeklebten Elektroden werden die Hirnströme im Tagesverlauf über ein Aufnahmegerät (ähnlich einem Kassettenrekorder) gemessen und aufgezeichnet. Ziel ist es, mögliche Anfallssymptome genau zu dokumentieren und dann in der Ableitung aufzusuchen. Dieses EEG ist dann erforderlich, wenn Symptome nicht sicher als Anfälle auszuschließen sind und sich Schwierigkeiten in der Therapie ergeben.

Monitoring:

In schweren Fällen und bei fehlendem Erfolg der antiepileptischen Einstellung auf Medikamente ist ein Langzeit-Monitoring möglich. Es erfolgt mit synchronisierter Video-Überwachung. Oft findet dieses Verfahren Anwendung zur Abklärung, ob eine Epilepsie operabel ist.

Kernspintomographie

Die Kernspintomographie ermöglicht es, die Struktur des Gehirns darzustellen. Hierbei können Fehlbildungen, Reifungsstörungen, Verletzungen und Tumore erkannt werden.

Stoffwechseluntersuchungen

Epilepsien im Kleinkindalter können auch durch Stoffwechselstörungen verursacht sein, die in ihrer Folge auch zu Hirnschädigungen mit progredientem Verlauf führen können.

PET/SPECT

Untersuchungen des Hirnstoffwechsels durch Eingabe eines radioaktiv markierten Zuckers können Aufschluss über Veränderungen in dem vermuteten epileptischen Fokus des Gehirns geben.