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3.4 Die häufigsten Anfallsformen

Grand mal-Anfall

Der bekannteste Anfall ist der Grand mal-Anfall. Er verläuft in mehreren Phasen, die teilweise auch übersprungen werden können:

Oft kündigt sich der Anfall durch ein Vorgefühl (= Aura) an. Es folgen die tonische Phase mit Muskelspannungen und Stürzen und schließlich die klonische Phase mit rhythmischen Zuckungen am ganzen Körper und Blaufärbung der Lippen. In der Erholungsphase versinkt der Patient in einen Tiefschlaf, da das Gehirn im Anfall viel Energie verbraucht hat. Der Grandmal-Anfall dauert ca. fünf Minuten und hört in der Regel von alleine auf.

Petit mal-Anfälle

Sie erscheinen weniger dramatisch und werden daher oft nicht als Epilepsien erkannt. Die häufigsten Formen im Schulalter sind die Absencen.

Absencen sind kurze Bewusstseinspausen; sie werden in der Literatur im "Struwwelpeter" als "Hans guck in die Luft" beschrieben: Der Blick wird leer, der Kopf oft zurückgeneigt, die Lider blinzeln in einer Frequenz von ca. drei Mal pro Sekunde. Die Kinder sind für die Dauer des Anfalls ohne Bewusstsein, können jedoch automatisierte Tätigkeiten (Rad fahren, Laufen ...) weiter ausführen oder halten kurz inne. Der Anfall ist nur von kurzer Dauer und wird leicht übersehen. Absencen treten besonders bei Schulkindern häufig als Serien auf.

Myoklonische Anfälle äußern sich als Zuckungen des Schultergürtelbereichs vorzugsweise im Jugendalter.

Myoklonisch astatische Anfälle, eine Epilepsieform des Kleinkind- und Kindergartenalters, sind gekennzeichnet durch Einknicken in den Knien, Stürze und anschließende vereinzelte Zuckungen. Betroffene Kinder krabbeln oft überdurchschnittlich lang.

Einfach fokale Anfälle

Sie können vielfältige Erscheinungsbilder aufweisen, je nach der Gehirnregion, die am Anfallsgeschehen beteiligt ist. Da der "Herd" jedoch in der Regel beim einzelnen Patienten an einer bestimmten Stelle sitzt, sind diese Anfälle bei der jeweiligen Person meist gleichförmig.

Man unterscheidet je nach Ursprungsort und Erscheinungsform:

Bei Patienten mit einfach fokalen Anfällen bleibt das Bewusstsein erhalten, so dass sie darauf reagieren können. Gleichzeitig spüren sie, dass sie ihre Bewegungen und Empfindungen nicht mehr kontrollieren können. Dadurch ist die psychische Belastung der Betroffenen oft größer als bei generalisierten Anfällen, die sich dem Erleben entziehen.

Komplex fokale Anfälle

Bei dieser Anfallsart sind mehrere Gehirnbereiche betroffen und das Bewusstsein ist eingeschränkt. So kann es zu Reaktionen kommen, die für Außenstehende zunächst nicht als Anfall erkennbar sind, vom Betroffenen aber nicht kontrolliert werden können. Solche ungesteuerten Verhaltensweisen (auf die Straße laufen, Hantieren mit gefährlichen Gegenständen u.ä.) können den Betroffenen leicht in riskante Situationen bringen.

Der Patient kann auch Abwehrreaktionen zeigen, die jedoch reflexartig oder automatisiert ablaufen. Häufig werden orale Automatismen beobachtet wie Schmatzen und andere Mundbewegungen oder Nesteln an der Kleidung.